Schildkröten aus Wien

Richard ist geprüfter und kontrollierter Züchter der Stadt Wien.

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Haltung von europäischen Landschildkröten

Posted on October 6, 2013 at 3:03 PM
 
 
Bestimmen der Tiere
 
Zur artgerechten Pflege ist es unbedingt erforderlich genau zu wissen, um welche Art oderUnterart es sich handelt. Das Bestimmen der einzelnen Europäischen Landschildkrötenarten ist teilweise sehr kompliziert.
 
Nachfolgend ein Beispiel mit Bestimmungshilfen zur Unterscheidung von
 
Griechischer und maurischer Landschildkröte.
 
 
 
      Testudo hermanni                                               Testudo graeca
(Griechische Landschildkröte)                               (Maurische Landschildkröte)
Zumeist geteiltes Schwanzschild             Zumeist ungeteiltes Schwanzschild
große Schuppeauf der Schwanzspitze               keine Schuppeauf der Schwanzspitze
keine Hornkegel auf                                               große Hornkegel auf
den Oberschenkeln                                                 den Oberschenkeln
 
So einfach das nun klingt, so schwierig ist es aber. Bereits bei diesen Arten gibt es
 Unterarten, deren Unterscheidung nicht leicht ist und die zusätzlich aufgrund Ihrer
großflächigen Verbreitung noch unterschiedlichste Ansprüche an Haltung und Pflege
stellen.Um eine sichere Bestimmung seiner Tiere zu gewährleisten, sollte man ein geeignetes Fachbuch zu Hilfe nehmen, oder noch besser ist es, sich mit einem erfahrenen Schildkrötenpfleger in Verbindung setzen. Eine Liste geeigneter Bücher finden Sie am Schluss des Informationsblattes, sowie die Adressen der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie, wo ihnen die Fachgruppe Schildkröten in allen Fragen jederzeit zur Verfügung stehen.
 
Unterbringung
 
Die artgerechte Unterbringung europäischer Landschildkröten ist nicht immer leicht zu erfüllen. Ebenso gibt es je nach Art oder Unterart unterschiedliche Ansprüche.
So sollten Landschildkröten aus dem südlichen Teil des Verbreitungsgebietes (Süd-Peloponnes, Nord-Afrika, Süd-Spanien), eher einer kombinierten Zimmer- und Freilandhaltung unterzogen werden. Eine ausschließliche Freilandhaltung hingegen, ist für Arten aus dem nördlicheren Teil anzustreben.
 
Freilandgehege
 
Ein Freilandgehege sollte zum Großteil der direkten Sonnenbestahlung ausgesetzt sein. Trotzdem dürfen schattige Stellen nicht fehlen. Dorthin ziehen sich die Schildkröten zurück, wenn es ihnen in der Sonne zu heiß geworden ist. Am besten eigenen sich dazu Sträucher, Büsche oder kleine Bäume. Ebenso sollte den Schildkröten in jedem Gehege ein trockenes Schutzhaus zur Verfügung stehen. Mit Heu oder Stroh gefüllt, wird es vor allem während der Nacht aufgesucht. Will man seine Schildkröte im Freien überwintern, ist es am idealsten, die Grube dafür im Schutzhaus anzulegen (näheres dazu im Abschnitt„ Winterruhe).
Weiters sollte das Gehege etwas strukturiert sein, um den Schildkröten einen Sichtschutz gegenüber Artgenossen zu ermöglichen. Geeignet dafür ist ein Hügel, der zugleich auch als Eiablagemöglichkeit dient. Ebenso können größere Baumstücke oder größere Steine und Felsen eingebracht werden
Die Art der Umzäunung des Geheges, sprich welches Material verwendet wird, bleibt
jedem selbst überlassen. Wichtig ist vielmehr die Höhe, die bei relativ glatten Innenflächen der Abgrenzung für adulte Schildkröten etwa 40 cm betragen sollte. Weiters reicht es, die Umzäunung etwa 15 cm in den Boden zu versenken. Ein  Untergraben, wie es in der Literatur oftmals angegeben wird, ist äußerst unwahrscheinlich.
 
Zimmerterrarium
 
Das Zimmerterrarium dient den Schildkrötenarten aus dem südlicheren Verbreitungs-
gebiet als Aufenthaltsort für die Übergangszeit zwischen dem Ende der Winterruhe
und dem Freilandsaufenthalt, sowie dem Ende des Freilandaufenthaltes und dem Beginn der Winterruhe. Dazu eigenen sich dementsprechend große Behälter die etwa 10 cm hoch mit Erde-Sandgemisch, Rindenmulch oder Lehmerde gefüllt werden. Auf einer Seite sollte ein Spottstrahler montiert sein (bei einer Entfernung von etwa 50 cm 100W) , der den Schildkröten als Wärmequelle dient.Ebenso sollte eine Unterschlupfmöglichkeit vorhanden sein.Angaben zur Beleuchtungsdauer im Zimmerterrarium finden Sie im Abschnitt Winterruhe.
 
Ernährung
 
Mediterrane Landschildkröten sind reine Pflanzenfresser, nur hin und wieder fressen sie auch tierisches Eiweiß. Dies wird aber immer die Ausnahmen der Regeln bleiben. Nach diesem Gesichtspunkt muss auch die Ernährung bei der Haltung in menschlicher Obhut zusammengestellt sein.
Der Idealfall zur Ernährung wäre, wenn das Gehege so groß ist, dass eine zusätzliche
Fütterung nicht erforderlich ist. Zumeist wird aber die Zufütterung von Nahrung
unbedingt notwendig sein.
Am besten eignen sich dazu verschiedenste Arten von Wiesenkräutern. Löwenzahn,
Milchdistel, Spitzwegerich, Breitwegerich, Huflattich, alle Kleesorten und vieles
mehr. Diese Pflanzen sollten den Großteil der Nahrung ausmachen. Weiters eigenen
sich Karotten, Erbsen oder in geringen Mengen die verschiedensten Blattsalatarten.
Diese sollte man, sofern sie aus dem Handel bezogen werden, vor dem Verfüttern
sehr gut unter fließendem Wasser waschen.
Obst, egal welcher Art, sollte man nur in geringen Mengen verfüttern (max. 2x die
Woche). Es sollte in keinem Fall Hauptbestandteil der Nahrung sein.
Alle nicht geeigneten Nahrungsmittel hier aufzulisten wäre unmöglich. Erwähnen
möchte ich Tomaten, die leider aufgrund der Vorliebe der Schildkröten für rote
Nahrungsteile oftmals angeboten werden, und Bananen. Beide sind aufgrund ihres
extrem schlechten Kalzium:Phosphor-Verhältnisses aber gänzlich ungeeignet. Näher
darauf einzugehen, ist aus Platzgründen nicht möglich und auch nicht erforderlich.
Tatsache ist, dass die leider oft auftretende Höckerbildung des Rückenpanzers auf
eine unzureichende Kalziumversorgung der Tiere zurückzuführen ist, und beide
Nahrungsmittel diesen Effekt sehr stark fördern.
Die Verabreichung von Vitamin- oder Mineralstoffpräperaten ist bei adulten Tieren
während eines Freilandaufenthaltes nicht unbedingt erforderlich. Trotzdem kann man
zerriebene Eischalen im Gehege ausstreuen; sie werden von den Schildkröten gerne
gefressen und decken somit deren Kalziumbedarf. Mäßigung ist auch beim Verfüttern
von Eiweiß geboten. Wie neue Untersuchungen zeigen, verursacht der regelmäßige Genuß von Eiweiß Gicht. Aus diesem Grund ist auch die ausschließliche Fütterung mit Schildkröten-Fertigfutterprodukten abzulehnen. Sie enthalten alle zuviel Eiweiß (tw. Bis zu 42%). Alle zwei Wochen angeboten, sind sie aufgrund ihres Vitamin- und Mineralstoffgehaltes eine wertvolle, Nahrungsergänzung.
Überbewertet wird oftmals das Trinkbedürfnis mediterranerer Landschildkröten. In
ihrem natürlichen Lebensraum ist den Tieren die regelmäßige Aufnahme von Wasser
aus einer größeren Wasseransammlung nicht möglich. Sie decken ihren
Flüssigkeitsbedarf daher durch den Morgentau oder über längere Zeiträume durch die
Nahrung Nur in den relativ regenreichen Frühjahrs- und Herbstmonaten gibt es ab
und zu Wasser in größeren Mengen. Es darf daher nicht verwundern, dass
Schildkröten eventuell angebotenes Wasser gierig trinken. Daraus den Schluss
zu ziehen, europäische Landschildkröten benötigen ein dauerndes Trinkgefäß, ist
falsch. Da es in unseren Breitengraden viel öfter regnet und zusätzlich die Möglichkeit besteht, Wasser in Form des Taus aufzunehmen, ist eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung gesichert. Bei längeren Hitzeperioden kann Wasser in einem
Gefäß oder mittels Schlauch angeboten werden. Im Zimmerterrarium ist es
vollkommene ausreichend, ein- bis zweimal pro Woche Wasser in einer kleinen
flachen Schale anzubieten. Eine Bademöglichkeit, wie es in der Literatur oft empfohlen wird, ist für europäische Landschildkröten nicht erforderlich.
 
Überwinterung
 
Alle Arten mediterraner Landschildkröten halten eine Winterruhe (auch die Jungen
halten eine Winterruhe; näheres dazu im Abschnitt Aufzucht). Variabel ist jedoch deren Dauer und Idensität.Bei der Überwinterung gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, und zwar man lässt die Tiere im Freien oder man verbringt sie an einen kühlen Ort, der jederzeit kontrollierbar ist. Das kann zum Beispiel der Keller, oder wie es in der letzten Zeit immer häufiger praktiziert wird, ein Kühlschrank sein.
 
Überwinterung im Freien
 
Will man seine Schildkröten im Freien überwintern, muss man einige Dinge
vorbereiten. So sollte man eine Grube ausheben, die etwa 1m tief ist. Man füllt die
Grube mit Rindenmulch, Laub, Torfmoos, Stroh oder ähnlichem, damit sich die
Schildkröten darin eingraben können. Am besten legt man die Grube im Inneren des
Schutzhauses an. Nachdem man am Beginn der kühleren Jahreszeit kontrolliert hat,
ob sich alle Schildkröten in das Schutzhaus zurückgezogen haben, sollte man den
Eingang desselben verschließen, um das Eindringen von Nagern zu verhindern.
Ebenso können dadurch Schildkröten bei kurzzeitigen Wärmeperioden nicht nach
außen gelangen. Im Frühjahr wird je nach Witterung (erfahrungsgemäß etwa Ende
März bis Mitte April) der Eingang wieder geöffnet, um den Schildkröten das Verlassender Grube und des Schutzhauses zu ermöglichen.
 
Überwinterung im Keller
 
Natürlich ist neben dem Keller auch jeder andere kühl bleibende Ort geeignet.
Wichtig ist, dass die Temperatur während der gesamten Ruhezeit zwischen 5°C–8°C
bleibt. Kurzzeitig niedrigere sowie höhere Temperaturen werden zwar zumeist
unbeschadet überstanden, trotzdem sollte man auf die relativ gleichbleibende Kälte
achten.
Zur Art und Weise, wie man nun vorgeht, gibt es gegenteilige Meinungen. In der
Literatur wird immer davon gesprochen, dass man die Tiere vor dem eigentlichen
Beginn der Winterruhe darauf vorbereiten muss. So werden sie etwa zwei Wochen
lang nicht mehr gefüttert und zwei- bis dreimal in lauwarmen Wasser gebadet. Der
Zweck dieses Vorgehen ist, dass die Schildkröte vor der Überwinterung ihren
Darm völlig entleert, um eventuelle Fäulnisprozesse durch im Darm verbliebene
Nahrungsreste während der Überwinterung zu verhindern. Nachdem die
Schildkröten das letzte Mal gebadet wurden, werden sie in die eigentlichen
Überwinterungsbehälter verbracht.
Die zweite Möglichkeit ist, seine Schildkröten sich selbst auf die bevorstehende
Winterruhe vorbereiten zu lassen. Dabei lässt man die Schildkröten einfach in ihrem
Gehege. Die Tiere fressen fast nichts mehr und ziehen sich an geschützte Stellen zurück.
Wenn die Nachttemperaturen auf annähernd 0°C gefallen sind, werden die
Schildkröten ohne vorheriges Bad in die eigentlichen Überwinterungsbehälter
verbracht.
Je nachdem, ob die Tiere einzeln oder in Gruppen überwintern, eignet sich dazu
Kunststoff-, Glas- oder Holzbehälter. Diese werden etwa 10cm mit feuchtem
Rindenmulch oder feuchtem Sand-Erdegemisch gefüllt. Darauf setzt man die
Schildkröte(n) und deckt sie noch mit 20-30 cm Laub, Stroh oder Torfmoos zu.
Danach werden die Behälter auf dem vorgesehenen Platz aufgestellt, wobei noch zu
beachten wäre, dass es sich dabei um einen dunklen Ort handelt. In keinem Fall sollte das direkte Sonnenlicht in oder auf die Behälter mit den Schildkröten treffen.
 
Überwinterung im Kühlschrank
 
Bei dieser Art der Überwinterung macht man sich die immer gleich bleibende
Temperatur im Inneren des Kühlschranks zunutzen. Die Vorgangsweise ist die
gleiche wie zuvor beschrieben, nur mit dem Unterschied, dass die Behälter mit den
darin befindlichen Schildkröten in den Kühlschrank gestellt werden. Während der
Zeit der Überwinterung reicht es vollkommen aus alle 2 Wochen den Kühlschrank
zu öffnen, um einen Luftaustausch zu ermöglichen.
 
Beenden der Winterruhe
 
Bei der Überwinterung im Freien wird das Ende der Überwinterung von dem
Schildkröten selbst bestimmt. Wichtig ist dabei, im Frühjahr auf Wetterumschwünge
zu achten. Sollten die Temperaturen nach längeren Wärmeperioden wieder fallen,
muss kontrolliert werden, ob sich auch alle Schildkröten wieder in den Schutz ihrer
Grube zurückgezogen haben.
Bei der Überwinterung in Räumen oder im Kühlschrank, muss das Ende jedoch vom
Pfleger bestimmt werden. Dabei wartet man, bis die Temperatur im Freien in den
Nächten nicht mehr unter 5°C fällt. Jetzt setzt man die Schildkröte vorzugsweise
während einer Schönwetterphase und am Abend in das Schutzhaus in ihrem Gehege.
Am Morgen werden die Schildkröten dann langsam aktiv und können bereits die
ersten Sonnenstrahlen zur Erwärmung nutzen.
Auch nach dem Ende der Winterruhe, so wird in manchen Fachbüchern empfohlen,
sollte man die Schildkröten in lauwarmes Wasser baden. Dazu ist nur anzumerken,
dass dies nicht schaden wird. Notwendig, wie es oft zitiert wird, ist es aber
nicht.
So bleibt es jedem selbst überlassen, welche Vorgangsweise gewählt wird.
 
Haltung vor und nach der Winterruhe in einem Terrarium
 
Wie bereits weiter oben erwähnt, ist eine annähernd fünf Monate dauernde
Winterruhe für Schildkröten aus dem südlicheren Teil des Verbreitungsgebietes nicht
empfehlenswert. Nordafrikanische Unterarten der Maurischen Landschildkröte oder
Breitrandschildkröten vom Südpeloponnes sind in der Natur auch im Jänner und
Februar zumindest an den sonnigen Tagen aktiv. Pflegt man diese Schildkrötenarten,
muss man diese Umstände beachten. Eine Ruhephase mit Nachttemperaturen von
etwa 5°C-15°C und Tagestemperaturen um die 20°C ist daher ausreichend. So sollte
ein genügend großes Terrarium vorhanden sein, wobei wichtig ist, auch die
dementsprechend niedrigen Nachttemperaturen zu realisieren. Als Beleuchtung
verwendet man einen Spotstrahler (bei einer Entfernung von 50 cm etwa 100 Watt-
Strahler), der mittels Zeitschaltuhr gesteuert wird.
Die Beleuchtungsdauer kann wie nachfolgend beschrieben eingestellt werden.
Nachdem man die Schildkröten etwa Ende September in das Terrarium übersiedelt,
beleuchtet man täglich von 9-17 Uhr (8 Std.). Ab Mitte Oktober reduziert man auf 6
Std. (10-16 Uhr) und etwa ab Mitte November weiter auf 4 Std. (11-15 Uhr). Diesen
Wert hält man nun bis Mitte Februar um dann wieder auf 6 Std. und ab Mitte März
auf 8 Std. zu erhöhen. Danach wartet man, bis das Wetter dementsprechend stabil
bleibt, um die Schildkröten wieder ins Freilandgehege zu übersiedeln, währenddessen sollten die Schildkröten immer gefüttert werden. Sollte jedoch nichts gefressen werden, da sich die Schildkröten vielleicht verkrochen haben, sollte man sich dadurch nicht beunruhigen. Eine zusätzliche UV-Bestrahlung ist zwar aufgrund der langen Freilandaufenthalte nicht unbedingt erforderlich. Will man diese trotzdem anbieten, verwendet man am besten UVA-Leuchtstoffröhren. Diese können unabhängig von deren Leistung den ganzen Tag über eingeschaltet bleiben.
 
 
Aufzucht
 
Der Aufzucht junger Schildkröten kommt aus mehreren Punkten große Bedeutung
zu. Da der Handel mit großen, aus der Natur entnommenen Exemplaren so gut wie
nicht mehr existiert, wird man bei vorhandenem Interesse auf den Erwerb von
Nachzuchten zurückgreifen müssen. Weiters ist die Haltung und Pflege kleiner
europäischer Landschildkröten nicht so einfach, wie das immer angenommen wird.
Um ein korrektes und gesundes Wachstum zu sichern, müssen einige wichtige Dinge
beachtet werden, die im Folgenden kurz zusammengefasst sind.
 
Unterbringung
 
Freiland
 
Auch für die kleinen Landschildkröten ist während der Sommermonate ein
Freilandaufenthalt die beste Form der Unterbringung. Demnach legt man an einer
sonnigen Stelle im Garten ein kleines Gehege an. Die Umzäunung muss nur etwa
20 cm hoch und einige cm in den Boden versenkt sein. Ein Schutzhaus bietet den
Schildkröten Unterschlupf in der Nacht und Schatten während der heißesten
Sonnenstunden. Empfehlenswert ist die Abdeckung des gesamten Geheges mit
einem Drahtgeflecht, da es immer wieder vorkommt, dass junge Schildkröten durch
Ratten, Marder, Katzen oder Vögel (Krähen) entnommen werden. Ansonsten gelten
dieselben Bedingungen wie für adulte Tiere.
 
Zimmerterrarium
 
Für die Zeit zwischen dem Ende des Freilandaufenthaltes und der Winterruhe, sowie
dem Ende der Winterruhe und dem Freilandaufenthalt, richtet man den kleinen
Schildkröten ein Terrarium ein, dass etwa 5 cm mit einem Sand-Erdegemisch gefüllt
wird. Ebenso bietet man einen Unterschlupf an, in dem sich die Tiere während der
Nacht gerne zurückziehen. Als Beleuchtung und gleichzeitiger Beheizung reicht
analog zu adulten Schildkröten ein Spotstrahler. Bei einer Entfernung von etwa 25 cm
genügt hier jedoch eine Lampe mit 40 Watt. Zusätzlich kann man noch eine
UVA -Leuchtstoffröhre installieren. Sie regt die Vitamin D3-Bildung im Organismus
der Schildkröten an und hilft somit ein natürliches Wachstum zu erreichen (weitere
Anmerkungen zur Vitaminversorgung im Abschnitt . Ernährung.).
 
Ernährung
 
Die Grundbestandteile der Nahrung sind gleich mit jenen der adulten Schildkröten.
Eiweissreiche Nahrung, wie sie in manchen Fachbüchern empfohlen wird, ist
neueren Untersuchungen nach den Tieren nicht zuträglich. Erwiesen ist aber der
erhöhter Kalziumbedarf der jungen Schildkröten. So sollte den Tieren immer Kalzium
in Form zerriebener eischalen oder zerriebener Muscheln zur Verfügung stehen.
Letztere werden als Vogelsand angeboten. Man darf jedoch nur solchen verwenden,
der nicht mit ätherischen Ölen angereichert ist. Zusätzlich bestreut man das Futter der Jungtiere fast täglich mit einem kombinierten Kalzium- und Vitaminpräperat. In
Verbindung mit der bereits vorher erwähnten UV-Bestrahlung ergibt sich ein gesundes und natürliches Wachstum. Die leider sehr oft vorhandene Höckerbildung
des Rückenpanzers kann damit relativ einfach verhindert werden.
 
Überwinterung
 
Junge europäische Landschildkröten brauchen zu ihrem Wohlbefinden eine
Winterruhe. Leider wird in vielen Artikeln und auch Fachbüchern empfohlen, in den
ersten Lebensjahren keine Winterruhe durchzuführen. Derartige Empfehlungen sind
äußerst bedenklich, wenn man dies mit den natürlichen Bedingungen vergleicht.
Hier sind auch die jungen Schildkröten gezwungen, eine Winterruhe zu halten. Nur
sie sichert ihnen das Überleben in der freien Wildbahn. Bei der Haltung in menschlicher Obhut wurde jedoch die Erfahrung gemacht, dass die Überwinterung
mit einer Dauer von 6 bis 8 Wochen ausreichend ist. Damit gelingt es, den Tieren
eine naturnahe Jahresrythmik zu vermitteln, und anderseits ist die Belastung für
schwächere Tiere nicht zu groß.
Wie im Abschnitt Unterbringung erwähnt, braucht man zur Haltung junger
europäischer Landschildkröten ein Zimmerterrarium. Darin pflegt man die Tiere vor
und nach der Winterruhe. So wird man die Schildkröten je nach Witterung Ende
September bis Mitte Oktober in das besagte Terrarium verbringen (Art der
Beleuchtung ebenfalls im Abschnitt Unterbringung). Die Beleuchtungsdauer
beträgt ca. 8 Std. täglich. Natürlich müssen die Schildkröten weiter gefüttert werden.
Etwa ab Mitte November reduziert man die Beleuchtung auf 6 Std., ab Mitte
Dezember auf 4 Std. und ab Ende Dezember auf 2 Std. täglich. Die Schildkröten sind
jetzt zumeist nicht mehr aktiv und liegen irgendwo im Substrat eingegraben. In der
Zwischenzeit bereitet man die eigentlichen Überwinterungsbehälter vor (Inhalt wie
bei den Adulten). In diese setzt man die Schildkröten und bringt den Behälter an den
vorgesehenen kühlen Ort. Wichtig ist, dass die Temperatur während der gesamten
Dauer der Überwinterung zwischen 5-8°C liegt. Am geeignetsten ist in diesem Fall die
Überwinterung in einem Kühlschrank, da aufgrund der geringen Größe auch mehrere
Tiere z.B. im Gemüsefach leicht unterzubringen sind.
Nach etwa 8 Wochen beendet man die Winterruhe indem man den Behälter mit den
Schildkröten an einem wärmeren Ort bringen. Die Schildkröten werden dann wieder
langsam aktiv. Man gibt sie wieder in ihr Terrarium, wobei genauso wie bei den
älteren Tieren ein vorhergehendes Bad nicht unbedingt erforderlich ist, jedoch auch
nicht schadet. Die Beleuchtungsdauer erhöht man wieder in umgekehrter
Reihenfolge wie bei der Einleitung zur Winterruhe und je nach Witterung übersiedelt
man die Schildkröten im Frühjahr wieder in ihr Freilandgehege.
 
Empfohlene Literatur
 
In den letzten Jahren kamen sehr viele neue Bücher auf den Markt, die sich die Pflege
und Haltungen von Schildkröten zum Thema machten. Leider gibt es aber keine
Kommission, die feststellt, ob ein neu veröffentlichtes Buch auch vom fachlichen
Inhalt her dementsprechend korrekt ist. So gesehen kann man den Großteil der vielen
neuen Bücher nicht weiterempfehlen. Zum Glück gibt es aber auch noch gute
Bücher, auch wenn sie bereits 4 oder 5 Jahre alt sind.
Leider gibt es nur ein Buch (Mayer 1992), dass sich ausschließlich mit
europäischen Landschildkröten beschäftigt, wobei auch dieses Buch nur bedingt
empfehlenswert ist. Trotzdem werden Sie es in der Liste der empfehlenswerten
Bücher finden, da es sich sehr gut als Bestimmungshilfe der einzelnen Arten eignet.
HIGHFIELD, A. C. (1995): Tortoises & Turtles; their care & maintenance in
                        captivity. – London, 2 Auflage, Carapace Press
MAYER, R. (1992): Europäische Landschildkröten. – Allgäu/Kempten AVA Agrar
                        Verlag
MÜLLER, V.&W. SCHMIDT (1995): Landschildkröten – Münster, Natur und Tier-
                        Verlag
NÖLLERT, A. (1987): Schildkröten – Hannover, Landbuch Verlag
RUDLOFF, H. W. (1990): Schildkröten – Leibzig, Urania Verlag
WEGEHAUPT W.(2013): Europäische Landschildkröten- Naturnahe Aufzuchten
                         Wegehaupt Verlag
 
Kontaktstelle für Fragen zur Haltung
und Pflege mediterraner Landschildkröten
 
Beirat – Schildkröte In der „ Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie" –
ÖGHGerhard Egretzberger
Beirat - Schildkröte in der „Herpetologischen Terraristische Vereinigung Österreich" – HTVÖ - Peter Fehringer
Obmann/ Präsident - „Herpetologischen Terraristische Vereinigung Österreich" – HTVÖ Richard Vrzal
 
Autor: Gerhard Egretzberger
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unsere Schildkröten

Posted on August 13, 2013 at 8:07 AM
Wir züchten folgende Schildkröten:
 
  • Testudo hermanni boettgerie - Griechische Landschildkröte (Ostrasse)
 
  • Testudo hermanni hermanni  - Griechische Landschildkröte (Westrasse)
 
  • Testudo horsfieldii - Vierzehenschildkröte
 
  • Testudo marginata - Breitrandschildkröte
 
  • Sternotherus oderatus - Gewöhnliche Moschusschildkröte
 
 
Bei Interesse kontaktieren Sie uns einfach unter 0043 699 122 09 790.
 
Mehr Informationen finden Sie unter www.htvoe.at
 
 
 

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